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Dali’s Geburt des Narziss. Rätsel?

​Salvador Dalís berühmtes Gemälde “Die Metamorphose des Narziss” (1937) ist eine surrealistische Interpretation des antiken griechischen Mythos von Narziss. Es ist ein Schlüsselwerk aus Dalís “paranoisch-kritischer” Periode, in der er die Technik der Doppelbilder nutzte, um verborgene Bedeutungen und Assoziationen zu schaffen.
​Der Mythos von Narziss:
Narziss war ein wunderschöner Jüngling, der jede Liebe von sich wies. Die Nymphe Echo verliebte sich unsterblich in ihn, wurde aber von Hera verflucht und konnte nur noch die letzten Worte anderer wiederholen. Als Narziss ihre Liebe zurückwies, verkümmerte sie aus Kummer. Die Göttin Nemesis, aus Mitleid mit Echo, bestrafte Narziss, indem sie ihn dazu brachte, sich in sein eigenes Spiegelbild im Wasser zu verlieben. Da er sein Spiegelbild nicht erreichen konnte, verzehrte er sich aus Sehnsucht und starb schließlich. An seiner Stelle wuchs eine Blume, die Narzisse.
​Dalís Interpretation und das Gemälde:
​Dalí stellt diese Geschichte in seinem Gemälde auf eine höchst symbolische und verstörende Weise dar:
​Die Doppelgestalt: Das zentrale Element des Bildes ist die Doppelung der Figur des Narziss. Auf der linken Seite sehen wir Narziss, der sich über das Wasser beugt und in sein Spiegelbild verliebt ist. Seine Pose ist klassisch und auf eine morbide Art schön.
​Die Metamorphose zur Hand mit Ei: Rechts daneben, fast spiegelverkehrt, befindet sich eine Hand aus Stein, die aus dem trockenen, rissigen Boden ragt. Diese Hand hält ein Ei oder eine Zwiebel, aus der wiederum eine Narzisse wächst. Diese Steinformation ist eine direkte “Metamorphose” des Körpers von Narziss. Dalí wollte damit zeigen, wie die Figur des sterbenden Narziss in diese steinerne Form übergeht und schließlich zur Blume wird. Die Hand symbolisiert dabei oft das Greifen nach dem Unerreichbaren oder auch die Fruchtbarkeit und den Neubeginn.
​Symbolik des Eies: Das Ei oder die Zwiebel steht für Geburt, Neuanfang und Transformation. Aus der Selbstliebe und dem Tod des Narziss entsteht neues Leben in Form der Blume.
​Die “Paranoisch-kritische Methode”: Dalí entwickelte diese Methode, um Bilder zu schaffen, die scheinbar unzusammenhängende Elemente zu einer neuen Realität verbinden. Er trainierte sich darauf, in scheinbaren Zufälligkeiten tiefere, oft obsessive Bedeutungen zu sehen. Im Falle des Narziss ist die Doppelung der Figur und die Verschmelzung von Körper und Landschaft ein Paradebeispiel dafür. Man muss das Bild aus einer gewissen Distanz betrachten, damit die Metamorphose der Formen sichtbar wird.
​Gala als “neuer Narziss”: Dalí schrieb auch ein Gedicht, das er zusammen mit dem Gemälde ausstellte. In diesem Gedicht deutet er an, dass seine Frau Gala sein “neuer Narziss” sei, was auf eine tiefere, persönliche Bedeutung des Mythos für ihn hinweist.
​Im Wesentlichen geht es in “Die Metamorphose des Narziss” um die Themen Selbstliebe, Vergänglichkeit, Transformation und den Kreislauf von Leben und Tod, alles durch die Linse des surrealistischen Traumes und Dalís einzigartiger “paranoisch-kritischer” Methode.

​Salvador Dalís “surrealistischer Traum” in “Die Metamorphose des Narziss” ist ein Gemälde, und man erwacht nicht physisch daraus. Wenn Sie jedoch meinen, wie man die Wirkung oder das Gefühl dieses surrealistischen Traumes, den das Bild vermittelt, “auflösen” oder “verstehen” kann, dann gibt es verschiedene Wege, diesen “Traum” zu entschlüsseln:
​Den surrealistischen “Traum” entschlüsseln
Wenn man den ursprünglichen Mythos von Narziss kennt, versteht man die tragische Geschichte und die Themen der Selbstliebe, der unerwiderten Sehnsucht und des Todes, die Dalí aufgreift. Das Bild wird so zu einer visuellen Interpretation einer bekannten Erzählung.
​Dalís Methode verstehen: Das Wissen um Dalís “paranoisch-kritische Methode” ist entscheidend. Er wollte, dass der Betrachter Doppelbilder und verborgene Formen erkennt. Wenn man das Gemälde betrachtet und bewusst nach diesen Transformationen sucht – wie der kniende Narziss sich in die steinerne Hand mit dem Ei verwandelt – dann “erwacht” man gewissermaßen aus der anfänglichen Verwirrung und erkennt die intendierte visuelle Spielerei. Es ist wie das Finden eines versteckten Bildes in einem Wimmelbild.
Surrealistische Bilder sind reich an Symbolen. Das Ei steht für Geburt und Neubeginn, die rissige Erde für Tod und Verfall. Wenn man diese Symbole zu deuten beginnt, kann man eine tiefere Bedeutungsebene des “Traumes” erschließen.
Ein Merkmal des Surrealismus ist, dass er den Betrachter zur eigenen psychologischen Auseinandersetzung anregt. Man “erwacht” aus dem “Traum”, indem man sich fragt, welche Gefühle oder Assoziationen das Bild in einem selbst hervorruft, jenseits der bloßen Erkennung der dargestellten Objekte. Es ist ein Akt der Selbstanalyse, der durch das Bild angeregt wird.
​Den historischen Kontext beachten: Dalí malte das Bild 1937, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Atmosphäre der Bedrohung und des Verfalls, die in vielen seiner Werke dieser Zeit zu finden ist, kann auch hier mitschwingen und zum Verständnis des “Traumes” beitragen.
Es geht also nicht darum, physisch aus einem Gemälde zu erwachen, sondern darum, die vielschichtigen Ebenen der Darstellung zu erkennen und zu interpretieren, um die Botschaft und die emotionale Wirkung des surrealistischen Kunstwerks vollständig zu erfassen.

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